Der Fachinformationsdienst „Europe.Table“ sowie die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ haben einen Gastbeitrag von aconnic zum Thema digitale Souveränität in Europa veröffentlicht: „Made in Europe“ ist machbar, die Zeit zum Handeln ist jetzt

„Europe.Table“ ist ein in Berlin ansässiger deutscher Briefing-Dienst, der spezialisierte Newsletter publiziert. „Die Presse“ ist eine nationale Tageszeitung in Österreich mit Sitz in Wien.

In seinem Gastbeitrag betont Werner Neubauer (CEO von aconnic), dass Europa den politischen und wirtschaftlichen Willen aufbringen müsse, digitale Souveränität konsequent umzusetzen, um sich von der Abhängigkeit von Produkten und Dienstleistungen aus den USA und China zu lösen. Europäische Technologieunternehmen wie aconnic seien bereit, diesen Weg zu gehen.

“Europe.Table”: https://table.media/europe/tablestandpunkt/made-in-europe-ist-machbar-und-verfuegbar

“Die Presse”: https://www.diepresse.com/20628627/made-in-europe-ist-machbar-die-zeit-zum-handeln-ist-jetzt

Quelle: “Die Presse”, 27. Februar 2026
Gastkommentar von Werner Neubauer, CEO aconnic AG

„Made in Europe“ ist machbar, die Zeit zum Handeln ist jetzt

Digitale Souveränität ist keine politische Vision, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Europa muss sich von der Abhängigkeit von Produkten und Services aus den USA und China lösen. Die europäischen Tech-Unternehmen sind dazu bereit. 

Um die digitale Souveränität Europas ist es miserabel bestellt. Europas Infrastruktur für Kommunikation, digitale Vernetzung und damit in weiterer Folge unsere Energieversorgung, Transportwege, unser Waren- und Zahlungsverkehr sind vom Wohlwollen von Nicht-EU-Ländern, allen voran von China und USA abhängig. Das förderte eine Umfrage des Deutschen Industrie und Handelstages (DIHK) unter knapp 4700 befragten Unternehmen zutage. Dazu kommt der für viele unsichtbare indirekte Anteil der Infrastruktur wie Glasfaserfestnetze und Mobilfunknetze, kritische Infrastruktur für Ver- und Entsorgung, der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und der schnellere Bau von Chipfabriken und Datenzentren. Diese Faktoren werden über die wirtschaftliche Prosperität unseres Kontinents in der Zukunft entscheiden. Digitale Souveränität als die selbstbestimmte Gestaltung und Kontrolle von digitalen Technologien ist keine politische Vision, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.

Wir müssen uns in Europa endlich von der Verharmlosung der Abhängigkeit trennen. Es ist naiv zu glauben, dass es einzig darum geht, wo welche Daten gespeichert werden, ob Online-Shops unser Kaufverhalten kennen und analysieren oder Social-Media-Plattformen Profile über uns erstellen. In Wahrheit geht es um die Verfügbarkeit unserer Infrastruktur. Während die Auswertung der persönlichen Daten vorwiegend zur Profitmaximierung dient, entscheidet die Verfügbarkeit von Infrastruktur über Handlungsfähigkeit und damit unsere Freiheit.

Stellen wir uns den Ernstfall vor, dass ein absichtlich herbeigeführter Ausfall von Wechselrichtern für unsere Fotovoltaik – davon kommen rund 90 Prozent nicht aus Europa – die Einspeisung von Strom ins Netz verhindert, unsere mobilen und drahtlosen Internetnetze nur mehr mit hundert Kilobit pro Sekunde verfügbar sind und die Kommunikationssysteme unserer Schieneninfrastruktur keine Zugsteuerung mehr zulassen. Ein gefährlicher Eingriff dieser Größenordnung von außen ist nicht nur denkbar, sondern auch technisch möglich.

Um auf dem Weg zur digitalen Souveränität voranzukommen, müssen wir unsere europäischen Werte mit der Implementierung europäischer Technologie und Produkte konsequent synchronisieren. In Zeiten nationalistischer Politik muss unsere Antwort auf „Make America Great Again“ und „China First“ lauten: „Made in Europe“. Der vielfach diskutierte Ansatz einer deutschen oder österreichischen Lösung ist eine andere Beschreibung für: weiter so – wir kommen da schon irgendwie durch.

Eine wichtige Initiative des EU-Industriekommissars

Daher ist die Initiative des französischen EU-Industriekommissars Stéphane Séjourné, europäische Produkte bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen zu bevorzugen, nicht nur richtig, sondern strategisch unabdingbar. Die Initiative von Séjourné wird von über 1100 Unternehmen, CEOs und Gewerkschaften unterstützt. Auch aconnic als europäischer Netzwerkausrüster begrüßt die Brüsseler Initiative. Anfang März will die EU-Kommission ihren „Industrial Accelerator Act“ nach Verzögerungen endlich vorlegen. Es wird Zeit, dass Europa versteht, dass nur gemeinsames und entschlossenes Handeln unsere unabhängige Zukunft sichert.

Schon heute liefern europäische Spitzenunternehmen innovative Produkte und Dienstleistungen auf Weltklasseniveau. ASML als Maschinenhersteller für Halbleiter, Infineon als Chipentwickler und Lieferant, Siemens und SAP sind nur einige der europäischen Weltkonzerne, die das Potenzial haben mit politischer Strategie und Entschlossenheit gemeinsam mit dem europäischen Mittelstand und dessen Innovationen die technologische strategische Autonomie und Souveränität Europas zu gestalten und zu sichern.

Selbstbewusstsein statt Verzagen

Eine Unabhängigkeit bei Netzen, Infrastruktur, Daten und auch KI ist möglich. Bei der aconnic AG haben wir immer auf digitale Souveränität gesetzt. Unsere Gigabit-Systeme für Glasfasernetze sind sowohl als Hardware, Software, Netzwerkmanagement und Produktion Made in Europe und meist Made in Germany. Seit vier Jahren forschen unsere Ingenieure in Zusammenarbeit mit Spitzenuniversitäten an Mechanismen für Netzwerksicherheit und können heute bereits Lösungen für Quantensicherheit in Kommunikationsnetzen bieten. Unsere Produkte, egal ob Hardware oder Software, sind transparent über die gesamte Lieferkette. Wir begreifen die digitale Souveränität daher als Bekenntnis zu Resilienz, Innovation und Unabhängigkeit.

Die Zeit zum Handeln drängt. Die technologische Vormachtstellung der Vereinigten Staaten und Chinas wächst ohne unser Handeln weiter. Wenn wir unsere kritische Infrastruktur über die nächsten Jahrzehnte kontrollieren und unsere länderübergreifende Innovationsfähigkeit bewahren wollen, müssen wir uns auf unsere wirtschaftliche Macht wieder konzentrieren und den Hebel in Richtung „Europa zuerst“ umlegen. Statt Verzagen ist Selbstbewusstsein angebracht. Schließlich verfügen wir in der EU mit 450 Millionen Einwohnern über die größte Freihandelszone der Welt.

Der Autor: Werner Neubauer (*1969) ist Österreicher und seit 2012 CEO und Gesellschafter des börsennotierten Netzwerkausrüsters aconnic AG in München.

DiePresse Made in. Europe 20260227 Gastbeitrag